Frage von Warai: Gründung der deutschen Bahn?
Hallo!
Ich interessiere mich für die Gründung der deutschen Bahn und habe soeben etwas über Gottfried Schenker herausgefunden. Dieser hat ja die Spedition Schenker 1872 mit zwei Geschäftspartnern gegründet und somit die Entwicklung des internationalen Sammelverkehrs gefördert. Allerdings verstehe ich die Verbindung zur deutschen Bahn nicht. Wie hat sich die Spedition Schenker nach 1900 entwickelt, sodass die deutsche Bahn daraus entstand?
Würde mich über schnelle und aufschlussreiche Antworten freuen!
Beste Antwort:
Answer by flitzepipe
Wie es begann:
Am 1. Juli 1872 gründete Gottfried Schenker in Wien mit zwei Geschäftspartnern die Spedition Schenker & Co. Die überragende unternehmerische Leistung des gebürtigen Schweizers bestand in der Einführung der Bahnsammelverkehre. Die Idee, Kleinsendungen zu einer größeren Einheit zusammenzufassen, führte zu einem völlig neuartigen, preiswerten und schnellen Transportsystem unter Nutzung von Schiene, Straße und Wasserwegen.
Rasch wuchs das Netz der Niederlassungen. Schenker war schon Ende des 19. Jahrhunderts das einzige Unternehmen, das von London bis Istanbul durchgehend kalkulierte Tarife anbot. Sein Erfolgsrezept – „Von Haus zu Haus in einer Hand” – machte ihn rasch zum Marktführer, weil er die Wünsche seiner Kunden besser und schneller als jeder andere erfüllte. Noch heute ist das der Anspruch des Unternehmens.
Ein Historiker unserer Tage schrieb über den 1901 verstorbenen Gottfried Schenker: „Er gehörte zu den großen Pionieren der Wirtschaft des 19. Jahrhunderts und erlangte großes Ansehen weit über die Grenzen Österreich-Ungarns hinaus.”
Wien war um die Jahrhundertwende die Metropole eines Staates im Herzen Europas, in dem zehn Sprachen gesprochen wurden. Von Wien aus erschloss sich das Unternehmen Märkte inner- und außerhalb der österreich-ungarischen Monarchie. In rascher Folge gründete Gottfried Schenker Niederlassungen in Budapest, Triest, Prag, Belgrad, Sofia, Saloniki und Konstantinopel. Zur Zeit Gottfried Schenkers sorgte in den Städten und Regionen noch der Pferdewagen für die Warenverteilung. Imposante Lagerhäuser wie das in Wien waren Handelsdrehscheiben. Über große Entfernungen besorgte die Bahn den Transport. Sammelgutverkehre im kontinentalen Maßstab oder die Beförderung von Massengütern waren aber auch auf die Schiffahrt angewiesen. Vorausschauend beteiligte sich Gottfried Schenker an Schiffahrtslinien. Von Triest aus organisierte er den Verkehr im Mittelmeer, nach Belgien, den Niederlanden, Deutschland und Großbritannien sowie nach Nordamerika. Eigene Schiffe mit dem Namen „Gottfried Schenker” und dem seiner Ehefrau „Betty” querten den Atlantik. 1913 entstand in New York die erste Niederlassung außerhalb Europas. Zugleich nutzte das Unternehmen die Möglichkeiten moderner Technik konsequent: es verknüpfte das Speditionsgeschäft mit der aufkommenden Telekommunikation. Zeitgleich mit der Erschließung neuer Verkehrswege nach Amerika beteiligte sich das Unternehmen an namhaften Telegraphengesellschaften, die mit ihren Kommunikationsleitungen Europa und Amerika erstmals verbanden.
Gottfried Schenker legte den Grundstein für die zukunftsorientierte Vernetzung von Transportmitteln, die Nutzung der Informationstechnologie und die globale Präsenz des Unternehmens. Auf seinen Prinzipien beruht der Erfolg von Schenker seit 135 Jahren.
Die spannende Geschichte des Wirtschaftspioniers Gottfried Schenker wurde von den renommierten Wirtschaftshistorikern Herbert Matis und Dieter Stiefel ausführlich dokumentiert und ist in Buchform erschienen: „Das Haus Schenker, die Geschichte der Internationalen Spedition, 1872-1931″.
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